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16.03.2021 Virtueller Seminarraum

2021-03-11 Moderne elektrische Schienentriebfahrzeuge

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VDE Rhein-Ruhr e.V.
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Vortrag von Prof. Dr. Andreas Steimel

Schon ein ganzes Jahr konnte die Seniorengemeinschaft im VDE Rhein-Ruhr wegen der
Corona-Pandemie praktisch keine ihrer beliebten Veranstaltungen stattfinden lassen.
Nichtsdestoweniger hat sie eine Jahresprogramm 2021 aufgestellt, als dessen erste
Veranstaltung ein Vortrag von Prof. Dr. Andreas Steimel, Ruhr-Uni Bochum, zum Thema
„Moderne elektrische Schienentriebfahrzeuge“ im Essener Haus der Technik vorgesehen
war. Leider hat die Verlängerung des Weihnachtslockdowns uns einen Strich durch die
Rechnung gemacht, Präsenzveranstaltungen sind noch nicht möglich. Glücklicherweise
ist Prof. Steimel durch seine Vorlesung zu Elektrischen Bahnen dieses Wintersemester
in der ZOOM-Technik so gestählt, dass er ersatzweise den Vortrag elektronisch für 25
Zuhörer der Seniorengemeinschaft halten konnte!

Einleitend wurde die durch u. a. die von der EU-Kommission getriebene Deregulierung
und Liberalisierung der für Europa typischen Staatsbahnen und die Neuformierung der
Herstellerszene auch unter dem Einfluss der Elektronik geschildert.
Mittlerweile haben auch bei den Bahnen standardisierte Plattformkonzepte den früher stark von den Fahrzeugdezernenten der Staatsbahnen geprägten Fahrzeugentwurf abgelöst. Die durch umrichtergespeiste Asynchronmaschinen mögliche Leistungssteigerung erlaubt inzwischen vierachsige Lokomotiven von 6,4 MW Leistung, heute überwiegend für Güterzüge eingesetzt, Hochgeschwindigkeitszüge für bis zu 380 km/h und nutzerfreundliche Niederflurzüge im Nahverkehr, besonders bei Straßenbahnen.
Die klassische Bahnantriebstechnik wurde stark durch die in den europäischen Staaten historisch gewachsenen Gleichstrom- und Wechselstromnetze mit 16 2/3 und 50 Hz geprägt; die (auch netzseitig zum Einsatz kommende) Umrichtertechnik – heute nur noch mit IGBT-Transistoren – erlaubte das Aufbrechen dieser starken Bindung, dadurch eine starke Standardisierung und die wirtschaftliche Schaffung von Mehrsystemfahrzeugen, die freizügig auf den unterschiedlichen europäischen Netzen verkehren können.
Abgeschlossen wurde der Vortrag durch einen Ausblick auf neue Technologien wie Permanentmagnet-Synchronmaschinenantriebe, leichte „elektronische“ Mittelfrequenztransformatoren sowie den Einsatz von modernen Energiespeichern (Doppelschicht-Kondensatoren, LiO-Batterien oder H2-Tanks und Brennstoffzellen) in Regionaltriebwagen, die auf nichtelektrifizierte Ausläuferstrecken übergehen können oder in
oberleitungsfreien Straßenbahnen, und so eine wichtige Rolle in der Energie-/Verkehrswende spielen werden!

In der Diskussion konnten offene Detailfragen geklärt werden.